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Title: Die drei Mnnlein im Walde
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 1 March 2012
Date last updated: 1 March 2012
Project Gutenberg Canada ebook #920

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Titre: Die drei Mnnlein im Walde
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   1 mars 2012
Date de la dernire mise  jour:
   1 mars 2012
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 920

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13.

Die drei Mnnlein im Walde.


Es war ein Mann, dem starb seine Frau, und eine Frau, der starb ihr
Mann; und der Mann hatte eine Tochter, und die Frau hatte auch eine
Tochter. Die Mdchen waren mit einander bekannt und giengen zusammen
spazieren und kamen hernach zu der Frau ins Haus. Da sprach sie zu des
Mannes Tochter 'hr, sage deinem Vater, ich wollt ihn heirathen, dann
sollst du jeden Morgen dich in Milch waschen und Wein trinken, meine
Tochter aber soll sich in Wasser waschen und Wasser trinken.' Das
Mdchen gieng nach Haus und erzhlte seinem Vater was die Frau gesagt
hatte. Der Mann sprach 'was soll ich thun? das Heirathen ist eine Freude
und ist auch eine Qual.' Endlich, weil er keinen Entschlu fassen
konnte, zog er seinen Stiefel aus und sagte 'nimm diesen Stiefel, der
hat in der Sohle ein Loch, geh damit auf den Boden, hng ihn an den
groen Nagel und gie dann Wasser hinein. Hlt er das Wasser, so will
ich wieder eine Frau nehmen, lufts aber durch, so will ich nicht.' Das
Mdchen that wie ihm geheien war: aber das Wasser zog das Loch zusammen,
und der Stiefel ward voll bis obenhin. Es verkndigte seinem Vater wies
ausgefallen war. Da stieg er selbst hinauf, und als er sah da es seine
Richtigkeit hatte, gieng er zu der Wittwe und freite sie, und die
Hochzeit ward gehalten.

Am andern Morgen, als die beiden Mdchen sich aufmachten, da stand vor
des Mannes Tochter Milch zum Waschen und Wein zum Trinken, vor der Frau
Tochter aber stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken. Am zweiten
Morgen stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken so gut vor des
Mannes Tochter als vor der Frau Tochter. Und am dritten Morgen stand
Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken vor des Mannes Tochter, und
Milch zum Waschen und Wein zum Trinken vor der Frau Tochter, und dabei
bliebs. Die Frau ward ihrer Stieftochter spinnefeind und wute nicht wie
sie es ihr von einem Tag zum andern schlimmer machen sollte. Auch war
sie neidisch, weil ihre Stieftochter schn und lieblich war, ihre rechte
Tochter aber hlich und widerlich.

Einmal im Winter, als es steinhart gefroren hatte und Berg und Thal
vollgeschneit lag, machte die Frau ein Kleid von Papier, rief das
Mdchen und sprach 'da zieh das Kleid an, geh hinaus in den Wald und hol
mir ein Krbchen voll Erdbeeren; ich habe Verlangen danach.' 'Du lieber
Gott,' sagte das Mdchen, 'im Winter wachsen ja keine Erdbeeren, die
Erde ist gefroren, und der Schnee hat auch alles zugedeckt. Und warum
soll ich in dem Papierkleide gehen? es ist drauen so kalt, da einem
der Athem friert: da weht ja der Wind hindurch und die Dornen reien mirs
vom Leib.' 'Willst du mir noch widersprechen?' sagte die Stiefmutter,
'mach da du fortkommst, und la dich nicht eher wieder sehen als bis du
das Krbchen voll Erdbeeren hast.' Dann gab sie ihm noch ein Stckchen
hartes Brot und sprach 'davon kannst du den Tag ber essen,' und dachte
'drauen wirds erfrieren und verhungern und mir nimmermehr wieder vor
die Augen kommen.'

Nun war das Mdchen gehorsam, that das Papierkleid an und gieng mit
dem Krbchen hinaus. Da war nichts als Schnee die Weite und Breite,
und war kein grnes Hlmchen zu merken. Als es in den Wald kam, sah es
ein kleines Huschen, daraus guckten drei kleine Haulemnnerchen. Es
wnschte ihnen die Tageszeit und klopfte bescheidenlich an die Thr.
Sie riefen herein, und es trat in die Stube und setzte sich auf die
Bank am Ofen, da wollte es sich wrmen und sein Frhstck essen. Die
Haulemnnerchen sprachen 'gib uns auch etwas davon.' 'Gerne' sprach
es, theilte sein Stckchen Brot entzwei und gab ihnen die Hlfte. Sie
fragten 'was willst du zur Winterzeit in deinem dnnen Kleidchen hier
im Wald?' 'Ach,' antwortete es, 'ich soll ein Krbchen voll Erdbeeren
suchen, und darf nicht eher nach Hause kommen als bis ich es mitbringe.'
Als es sein Brot gegessen hatte, gaben sie ihm einen Besen und sprachen
'kehre damit an der Hinterthre den Schnee weg.' Wie es aber drauen
war, sprachen die drei Mnnerchen untereinander 'was sollen wir ihm
schenken, weil es so artig und gut ist und sein Brot mit uns getheilt
hat?' Da sagte der erste 'ich schenk ihm da es jeden Tag schner wird.'
Der zweite sprach 'ich schenk ihm da Goldstcke ihm aus dem Mund
fallen, so oft es ein Wort spricht.' Der dritte sprach 'ich schenk ihm
da ein Knig kommt und es zu seiner Gemahlin nimmt.'

Das Mdchen aber that wie die Haulemnnerchen gesagt hatten, kehrte mit
dem Besen den Schnee hinter dem kleinen Hause weg, und was glaubt ihr
wohl da es gefunden hat? lauter reife Erdbeeren, die ganz dunkelroth
aus dem Schnee hervor kamen. Da raffte es in seiner Freude sein Krbchen
voll, dankte den kleinen Mnnern, gab jedem die Hand und lief nach Haus,
und wollte der Stiefmutter das Verlangte bringen. Wie es eintrat und
'guten Abend' sagte, fiel ihm gleich ein Goldstck aus dem Mund. Darauf
erzhlte es was ihm im Walde begegnet war, aber bei jedem Worte, das es
sprach, fielen ihm die Goldstcke aus dem Mund, so da bald die ganze
Stube damit bedeckt ward. 'Nun sehe einer den bermuth,' rief die
Stiefschwester, 'das Geld so hinzuwerfen,' aber heimlich war sie
neidisch darber und wollte auch hinaus in den Wald und Erdbeeren
suchen. Die Mutter: 'nein, mein liebes Tchterchen, es ist zu kalt, du
knntest mir erfrieren.' Weil sie ihr aber keine Ruhe lie, gab sie
endlich nach, nhte ihm einen prchtigen Pelzrock, den es anziehen
mute, und gab ihm Butterbrot und Kuchen mit auf den Weg.

Das Mdchen gieng in den Wald und gerade auf das kleine Huschen zu. Die
drei kleinen Haulemnner guckten wieder, aber es grte sie nicht, und,
ohne sich nach ihnen umzusehen und ohne sie zu gren, stolperte es in
die Stube hinein, setzte sich an den Ofen und fieng an sein Butterbrot
und seinen Kuchen zu essen. 'Gib uns etwas davon,' riefen die Kleinen,
aber es antwortete 'es schickt mir selber nicht, wie kann ich andern
noch davon abgeben?' Als es nun fertig war mit dem Essen, sprachen sie
'da hast du einen Besen, kehr uns drauen vor der Hinterthr rein.' 'Ei,
kehrt euch selber,' antwortete es, 'ich bin eure Magd nicht.' Wie es
sah da sie ihm nichts schenken wollten, gieng es zur Thre hinaus. Da
sprachen die kleinen Mnner untereinander 'was sollen wir ihm schenken,
weil es so unartig ist und ein bses neidisches Herz hat, das niemand
etwas gnnt?' Der erste sprach 'ich schenk ihm da es jeden Tag
hlicher wird.' Der zweite sprach 'ich schenk ihm da ihm bei jedem
Wort, das es spricht, eine Krte aus dem Munde springt.' Der dritte
sprach 'ich schenk ihm da es eines unglcklichen Todes stirbt.' Das
Mdchen suchte drauen nach Erdbeeren, als es aber keine fand, gieng es
verdrielich nach Haus. Und wie es den Mund aufthat und seiner Mutter
erzhlen wollte was ihm im Walde begegnet war, da sprang ihm bei jedem
Wort eine Krte aus dem Mund, so da alle einen Abscheu vor ihm bekamen.

Nun rgerte sich die Stiefmutter noch viel mehr und dachte nur darauf
wie sie der Tochter des Mannes alles Herzeleid anthun wollte, deren
Schnheit doch alle Tage grer ward. Endlich nahm sie einen Kessel,
setzte ihn zum Feuer und sott Garn darin. Als es gesotten war, hieng sie
es dem armen Mdchen auf die Schulter, und gab ihm eine Axt dazu, damit
sollte es auf den gefrornen Flu gehen, ein Eisloch hauen und das Garn
schlittern. Es war gehorsam, gieng hin und hackte ein Loch in das Eis,
und als es mitten im Hacken war, kam ein prchtiger Wagen hergefahren,
worin der Knig sa. Der Wagen hielt still und der Knig fragte 'mein
Kind, wer bist du und was machst du da?' 'Ich bin ein armes Mdchen und
schlittere Garn.' Da fhlte der Knig Mitleiden, und als er sah wie es
so gar schn war, sprach er 'willst du mit mir fahren?' 'Ach ja, von
Herzen gern,' antwortete es, denn es war froh da es der Mutter und
Schwester aus den Augen kommen sollte.

Also stieg es in den Wagen und fuhr mit dem Knig fort, und als sie
auf sein Schlo gekommen waren, ward die Hochzeit mit groer Pracht
gefeiert, wie es die kleinen Mnnlein dem Mdchen geschenkt hatten. ber
ein Jahr gebar die junge Knigin einen Sohn, und als die Stiefmutter
von dem groen Glcke gehrt hatte, so kam sie mit ihrer Tochter in das
Schlo und that als wollte sie einen Besuch machen. Als aber der Knig
einmal hinausgegangen und sonst niemand zugegen war, packte das bse
Weib die Knigin am Kopf, und ihre Tochter packte sie an den Fen,
hoben sie aus dem Bett und warfen sie zum Fenster hinaus in den vorbei
flieenden Strom. Darauf legte sich ihre hliche Tochter ins Bett, und
die Alte deckte sie zu bis ber den Kopf. Als der Knig wieder zurck
kam und mit seiner Frau sprechen wollte, rief die Alte 'still, still,
jetzt geht das nicht, sie liegt in starkem Schwei, ihr mt sie heute
ruhen lassen.' Der Knig dachte nichts Bses dabei und kam erst den
andern Morgen wieder, und wie er mit seiner Frau sprach, und sie ihm
Antwort gab, sprang bei jedem Wort eine Krte hervor, whrend sonst ein
Goldstck heraus gefallen war. Da fragte er was das wre, aber die Alte
sprach das htte sie von dem starken Schwei gekriegt, und wrde sich
schon wieder verlieren.

In der Nacht aber sah der Kchenjunge wie eine Ente durch die Gosse
geschwommen kam, die sprach

 'Knig, was machst du?
 schlfst du oder wachst du?'

Und als er keine Antwort gab, sprach sie

 'was machen meine Gste?'

Da antwortete der Kchenjunge

 'sie schlafen feste.'

Fragte sie weiter

 'was macht mein Kindelein?'

Antwortete er

 'es schlft in der Wiege fein.'

Da gieng sie in der Knigin Gestalt hinauf, gab ihm zu trinken, schttelte
ihm sein Bettchen, deckte es zu und schwamm als Ente wieder durch die
Gosse fort. So kam sie zwei Nchte, in der dritten sprach sie zu dem
Kchenjungen 'geh und sage dem Knig da er sein Schwert nimmt und auf
der Schwelle dreimal ber mir schwingt.' Da lief der Kchenjunge und
sagte es dem Knig, der kam mit seinem Schwert und schwang es dreimal
ber dem Geist: und beim drittenmal stand seine Gemahlin vor ihm,
frisch, lebendig und gesund, wie sie vorher gewesen war.

Nun war der Knig in groer Freude, er hielt aber die Knigin in einer
Kammer verborgen bis auf den Sonntag, wo das Kind getauft werden sollte.
Und als es getauft war, sprach er 'was gehrt einem Menschen, der den
andern aus dem Bett trgt und ins Wasser wirft?' 'Nichts besseres,'
antwortete die Alte, 'als da man den Bsewicht in ein Fa steckt, das
mit Ngeln ausgeschlagen ist, und den Berg hinab ins Wasser rollt.' Da
sagte der Knig 'du hast dein Urtheil gesprochen,' lie ein solches Fa
holen und die Alte mit ihrer Tochter hineinstecken, dann ward der Boden
zugehmmert und das Fa bergab gekullert, bis es in den Flu rollte.




HINWEIS


Die folgende nderung wurde vorgenommen; die Originalfassung geht der
genderten Fassung voraus.

  'mein Kind, wer bist du und was magst du da?'
   'mein Kind, wer bist du und was machst du da?'






[End of Die drei Mnnlein im Walde, by the Brothers Grimm]

[Fin de Die drei Mnnlein im Walde, par les frres Grimm]
