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Title: Die zwlf Brder
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 5 August 2011
Date last updated: 5 August 2011
Project Gutenberg Canada ebook #831

This ebook was produced by
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Titre: Die zwlf Brder
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   5 aot 2011
Date de la dernire mise  jour:
   5 aot 2011
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 831

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9.

Die zwlf Brder.


Es war einmal ein Knig und eine Knigin, die lebten in Frieden mit
einander und hatten zwlf Kinder, das waren aber lauter Buben. Nun
sprach der Knig zu seiner Frau 'wenn das dreizehnte Kind, was du zur
Welt bringst, ein Mdchen ist, so sollen die zwlf Buben sterben, damit
sein Reichthum gro wird und das Knigreich ihm allein zufllt.' Er lie
auch zwlf Srge machen, die waren schon mit Hobelspnen gefllt, und in
jedem lag das Todtenkichen, und lie sie in eine verschlossene Stube
bringen, dann gab er der Knigin den Schlssel und gebot ihr niemand
etwas davon zu sagen.

Die Mutter aber sa nun den ganzen Tag und trauerte, so da der kleinste
Sohn, der immer bei ihr war, und den sie nach der Bibel Benjamin nannte,
zu ihr sprach 'liebe Mutter, warum bist du so traurig?' 'Liebstes Kind,'
antwortete sie, 'ich darf dirs nicht sagen.' Er lie ihr aber keine
Ruhe, bis sie gieng und die Stube aufschlo, und ihm die zwlf mit
Hobelspnen schon gefllten Todtenladen zeigte. Darauf sprach sie 'mein
liebster Benjamin, diese Srge hat dein Vater fr dich und deine elf
Brder machen lassen, denn wenn ich ein Mdchen zur Welt bringe, so
sollt ihr allesammt getdtet und darin begraben werden.' Und als sie
weinte whrend sie das sprach, so trstete sie der Sohn und sagte 'weine
nicht, liebe Mutter, wir wollen uns schon helfen und wollen fortgehen.'
Sie aber sprach 'geh mit deinen elf Brdern hinaus in den Wald, und
einer setze sich immer auf den hchsten Baum, der zu finden ist, und
halte Wacht und schaue nach dem Thurm hier im Schlo. Gebr ich ein
Shnlein, so will ich eine weie Fahne aufstecken, und dann drft ihr
wiederkommen: gebr ich ein Tchterlein, so will ich eine rothe Fahne
aufstecken, und dann flieht fort, so schnell ihr knnt, und der liebe
Gott behte euch. Alle Nacht will ich aufstehen und fr euch beten, im
Winter, da ihr an einem Feuer euch wrmen knnt, im Sommer, da ihr
nicht in der Hitze schmachtet.'

Nachdem sie also ihre Shne gesegnet hatte, giengen sie hinaus in den
Wald. Einer hielt um den andern Wacht, sa auf der hchsten Eiche und
schauete nach dem Thurm. Als elf Tage herum waren und die Reihe an
Benjamin kam, da sah er wie eine Fahne aufgesteckt wurde: es war aber
nicht die weie sondern die rothe Blutfahne, die verkndigte da sie
alle sterben sollten. Wie die Brder das hrten, wurden sie zornig
und sprachen 'sollten wir um eines Mdchens willen den Tod leiden!
wir schwren da wir uns rchen wollen: wo wir ein Mdchen finden,
soll sein rothes Blut flieen.'

Darauf giengen sie tiefer in den Wald hinein, und mitten drein, wo er
am dunkelsten war, fanden sie ein kleines verwnschtes Huschen, das
leer stand. Da sprachen sie 'hier wollen wir wohnen, und du, Benjamin,
du bist der jngste und schwchste, du sollst daheim bleiben und
haushalten, wir andern wollen ausgehen und Essen holen.' Nun zogen sie
in den Wald und schossen Hasen, wilde Rehe, Vgel und Tuberchen und
was zu essen stand: das brachten sie dem Benjamin, der mute es ihnen
zurecht machen, damit sie ihren Hunger stillen konnten. In dem Huschen
lebten sie zehn Jahre zusammen, und die Zeit ward ihnen nicht lang.

Das Tchterchen, das ihre Mutter, die Knigin, geboren hatte, war nun
herangewachsen, war gut von Herzen und schn von Angesicht und hatte
einen goldenen Stern auf der Stirne. Einmal, als groe Wsche war, sah
es darunter zwlf Mannshemden und fragte seine Mutter 'wem gehren diese
zwlf Hemden, fr den Vater sind sie doch viel zu klein?' Da antwortete
sie mit schwerem Herzen 'liebes Kind, die gehren deinen zwlf Brdern.'
Sprach das Mdchen 'wo sind meine zwlf Brder, ich habe noch niemals
von ihnen gehrt.' Sie antwortete 'das wei Gott, wo sie sind: sie
irren in der Welt herum.' Da nahm sie das Mdchen und schlo ihm das
Zimmer auf, und zeigte ihm die zwlf Srge mit den Hobelspnen und
den Todtenkichen. 'Diese Srge,' sprach sie, 'waren fr deine Brder
bestimmt, aber sie sind heimlich fortgegangen, eh du geboren warst,'
und erzhlte ihm wie sich alles zugetragen hatte. Da sagte das Mdchen
'liebe Mutter, weine nicht, ich will gehen und meine Brder suchen.'

Nun nahm es die zwlf Hemden und gieng fort und geradezu in den groen
Wald hinein. Es gieng den ganzen Tag und am Abend kam es zu dem
verwnschten Huschen. Da trat es hinein und fand einen jungen Knaben,
der fragte 'wo kommst du her und wo willst du hin?' und erstaunte da
sie so schn war, knigliche Kleider trug und einen Stern auf der Stirne
hatte. Da antwortete sie 'ich bin eine Knigstochter und suche meine
zwlf Brder und will gehen so weit der Himmel blau ist, bis ich sie
finde.' Sie zeigte ihm auch die zwlf Hemden, die ihnen gehrten. Da sah
Benjamin da es seine Schwester war und sprach 'ich bin Benjamin, dein
jngster Bruder.' Und sie fieng an zu weinen vor Freude, und Benjamin
auch, und sie kten und herzten einander vor groer Liebe. Hernach
sprach er 'liebe Schwester, es ist noch ein Vorbehalt da, wir hatten
verabredet, da ein jedes Mdchen, das uns begegnete, sterben sollte,
weil wir um ein Mdchen unser Knigreich verlassen muten.' Da sagte
sie 'ich will gerne sterben, wenn ich damit meine zwlf Brder erlsen
kann.' 'Nein,' antwortete er, 'du sollst nicht sterben, setze dich unter
diese Btte bis die elf Brder kommen, dann will ich schon einig mit
ihnen werden.' Also that sie; und wie es Nacht ward, kamen die andern
von der Jagd, und die Mahlzeit war bereit. Und als sie am Tische saen
und aen, fragten sie 'was gibts neues?' Sprach Benjamin 'wit ihr
nichts?' 'Nein' antworteten sie. Sprach er weiter 'ihr seid im Walde
gewesen, und ich bin daheim geblieben, und wei doch mehr als ihr.' 'So
erzhle uns' riefen sie. Antwortete er 'versprecht ihr mir auch da
das erste Mdchen, das uns begegnet, nicht soll getdtet werden?' 'Ja,'
riefen sie alle, 'das soll Gnade haben, erzhl uns nur.' Da sprach er
'unsere Schwester ist da,' und hub die Btte auf, und die Knigstochter
kam hervor in ihren kniglichen Kleidern mit dem goldenen Stern auf
der Stirne, und war so schn, zart und fein. Da freueten sie sich alle,
fielen ihr um den Hals und kten sie und hatten sie vom Herzen lieb.

Nun blieb sie bei Benjamin zu Haus und half ihm in der Arbeit. Die
elfe zogen in den Wald, fiengen Gewild, Rehe, Vgel und Tuberchen,
damit sie zu essen hatten, und die Schwester und Benjamin sorgten da
es zubereitet wurde. Sie suchte das Holz zum Kochen und die Kruter
zum Gems, und stellte die Tpfe ans Feuer, also da die Mahlzeit
immer fertig war, wenn die Elfe kamen. Sie hielt auch sonst Ordnung im
Huschen, und deckte die Bettlein hbsch wei und rein, und die Brder
waren immer zufrieden und lebten in groer Einigkeit mit ihr.

Auf eine Zeit hatten die beiden daheim eine schne Kost zurecht gemacht,
und wie sie nun alle beisammen waren, setzten sie sich, aen und tranken
und waren voller Freude. Es war aber ein kleines Grtchen an dem
verwnschten Huschen, darin standen zwlf Lilienblumen, die man auch
Studenten heit: nun wollte sie ihren Brdern ein Vergngen machen,
brach die zwlf Blumen ab und dachte jedem aufs Essen eine zu schenken.
Wie sie aber die Blumen abgebrochen hatte, in demselben Augenblick
waren die zwlf Brder in zwlf Raben verwandelt und flogen ber den
Wald hin fort, und das Haus mit dem Garten war auch verschwunden. Da war
nun das arme Mdchen allein in dem wilden Wald, und wie es sich umsah,
so stand eine alte Frau neben ihm, die sprach 'mein Kind, was hast du
angefangen? warum hast du die zwlf weien Blumen nicht stehen lassen?
das waren deine Brder, die sind nun auf immer in Raben verwandelt.' Das
Mdchen sprach weinend 'ist denn kein Mittel sie zu erlsen?' 'Nein,'
sagte die Alte, 'es ist keins auf der ganzen Welt als eins, das ist aber
so schwer, da du sie damit nicht befreien wirst, denn du mut sieben
Jahre stumm sein, darfst nicht sprechen und nicht lachen, und sprichst
du ein einziges Wort, und es fehlt nur eine Stunde an den sieben Jahren,
so ist alles umsonst, und deine Brder werden von dem einen Wort
getdtet.'

Da sprach das Mdchen in seinem Herzen 'ich wei gewi da ich meine
Brder erlse,' und gieng und suchte einen hohen Baum, setzte sich
darauf und spann, und sprach nicht und lachte nicht. Nun trugs sich zu,
da ein Knig in dem Walde jagte, der hatte einen groen Windhund, der
lief zu dem Baum, wo das Mdchen drauf sa, sprang herum, schrie und
bellte hinauf. Da kam der Knig herbei und sah die schne Knigstochter
mit dem goldenen Stern auf der Stirne, und war so entzckt ber ihre
Schnheit, da er ihr zurief ob sie seine Gemahlin werden wollte. Sie
gab keine Antwort, nickte aber ein wenig mit dem Kopf. Da stieg er
selbst auf den Baum, trug sie herab, setzte sie auf sein Pferd und
fhrte sie heim. Da ward die Hochzeit mit groer Pracht und Freude
gefeiert: aber die Braut sprach nicht und lachte nicht. Als sie ein paar
Jahre mit einander vergngt gelebt hatten, fieng die Mutter des Knigs,
die eine bse Frau war, an, die junge Knigin zu verlumden und sprach
zum Knig 'es ist ein gemeines Bettelmdchen, das du dir mitgebracht
hast, wer wei was fr gottlose Streiche sie heimlich treibt. Wenn sie
stumm ist und nicht sprechen kann, so knnte sie doch einmal lachen,
aber wer nicht lacht, der hat ein bses Gewissen.' Der Knig wollte
zuerst nicht daran glauben, aber die Alte trieb es so lange und
beschuldigte sie so viel bser Dinge, da der Knig sich endlich
berreden lie und sie zum Tod verurtheilte.

Nun ward im Hof ein groes Feuer angezndet, darin sollte sie verbrannt
werden: und der Knig stand oben am Fenster und sah mit weinenden Augen
zu, weil er sie noch immer so lieb hatte. Und als sie schon an den
Pfahl festgebunden war, und das Feuer an ihren Kleidern mit rothen
Zungen leckte, da war eben der letzte Augenblick von den sieben Jahren
verflossen. Da lie sich in der Luft ein Geschwirr hren, und zwlf
Raben kamen hergezogen und senkten sich nieder: und wie sie die Erde
berhrten, waren es ihre zwlf Brder, die sie erlst hatte. Sie
rissen das Feuer auseinander, lschten die Flammen, machten ihre liebe
Schwester frei, und kten und herzten sie. Nun aber, da sie ihren
Mund aufthun und reden durfte, erzhlte sie dem Knige warum sie stumm
gewesen wre und niemals gelacht htte. Der Knig freute sich als er
hrte da sie unschuldig war, und sie lebten nun alle zusammen in
Einigkeit bis an ihren Tod. Die bse Stiefmutter ward vor Gericht
gestellt, und in ein Fa gesteckt, das mit siedendem Oel und giftigen
Schlangen angefllt war, und starb eines bsen Todes.




[End of Die zwlf Brder, by the Brothers Grimm]

[Fin de Die zwlf Brder, par les frres Grimm]
