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Title: Der treue Johannes
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 28 June 2011
Date last updated: 28 June 2011
Project Gutenberg Canada ebook #810

This ebook was produced by
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Titre: Der treue Johannes
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   28 juin 2011
Date de la dernire mise  jour:
   28 juin 2011
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 810

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6.

Der treue Johannes.


Es war einmal ein alter Knig, der war krank und dachte 'es wird wohl
das Todtenbett sein, auf dem ich liege.' Da sprach er 'lat mir den
getreuen Johannes kommen.' Der getreue Johannes war sein liebster
Diener, und hie so, weil er ihm sein Lebelang so treu gewesen war. Als
er nun vor das Bett kam, sprach der Knig zu ihm 'getreuester Johannes,
ich fhle da mein Ende heran naht, und da habe ich keine andere Sorge
als um meinen Sohn: er ist noch in jungen Jahren, wo er sich nicht immer
zu rathen wei, und wenn du mir nicht versprichst ihn zu unterrichten
in allem, was er wissen mu, und sein Pflegevater zu sein, so kann ich
meine Augen nicht in Ruhe schlieen.' Da antwortete der getreue Johannes
'ich will ihn nicht verlassen, und will ihm mit Treue dienen, wenns auch
mein Leben kostet.' Da sagte der alte Knig 'so sterb ich getrost und in
Frieden.' Und sprach dann weiter 'nach meinem Tode sollst du ihm das
ganze Schlo zeigen, alle Kammern, Sle und Gewlbe, und alle Schtze,
die darin liegen: aber die letzte Kammer in dem langen Gange sollst du
ihm nicht zeigen, worin das Bild der Knigstochter vom goldenen Dache
verborgen steht. Wenn er das Bild erblickt, wird er eine heftige Liebe
zu ihr empfinden, und wird in Ohnmacht niederfallen und wird ihretwegen
in groe Gefahren gerathen; davor sollst du ihn hten.' Und als der
treue Johannes nochmals dem alten Knig die Hand darauf gegeben hatte,
ward dieser still, legte sein Haupt auf das Kissen und starb.

Als der alte Knig zu Grabe getragen war, da erzhlte der treue Johannes
dem jungen Knig was er seinem Vater auf dem Sterbelager versprochen
hatte, und sagte 'das will ich gewilich halten, und will dir treu sein,
wie ich ihm gewesen bin, und sollte es mein Leben kosten.' Die Trauer
gieng vorber, da sprach der treue Johannes zu ihm 'es ist nun Zeit,
da du dein Erbe siehst: ich will dir dein vterliches Schlo zeigen.'
Da fhrte er ihn berall herum, auf und ab, und lie ihn alle die
Reichthmer und prchtigen Kammern sehen: nur die eine Kammer ffnete er
nicht, worin das gefhrliche Bild stand. Das Bild war aber so gestellt,
da, wenn die Thre aufgieng, man gerade darauf sah, und war so herrlich
gemacht, da man meinte es leibte und lebte, und es gbe nichts
lieblicheres und schneres auf der ganzen Welt. Der junge Knig aber
merkte wohl da der getreue Johannes immer an einer Thr vorbergieng
und sprach 'warum schlieest du mir diese niemals auf?' 'Es ist etwas
darin,' antwortete er, 'vor dem du erschrickst.' Aber der Knig
antwortete 'ich habe das ganze Schlo gesehen, so will ich auch wissen
was darin ist,' gieng und wollte die Thre mit Gewalt ffnen. Da hielt
ihn der getreue Johannes zurck und sagte 'ich habe es deinem Vater vor
seinem Tode versprochen, da du nicht sehen sollst was in der Kammer
steht: es knnte dir und mir zu groem Unglck ausschlagen.' 'Ach nein,'
antwortete der junge Knig, wenn ich nicht hineinkomme, so ists mein
sicheres Verderben: ich wrde Tag und Nacht keine Ruhe haben, bis ichs
mit meinen Augen gesehen htte. Nun gehe ich nicht von der Stelle, bis
du aufgeschlossen hast.'

Da sah der getreue Johannes da es nicht mehr zu ndern war, und suchte
mit schwerem Herzen und vielem Seufzen aus dem groen Bund den Schlssel
heraus. Als er die Thre geffnet hatte, trat er zuerst hinein und
dachte er wolle das Bildnis bedecken da es der Knig vor ihm nicht
she: aber was half das? der Knig stellte sich auf die Fuspitzen
und sah ihm ber die Schulter. Und als er das Bildnis der Jungfrau
erblickte, das so herrlich war und von Gold und Edelsteinen glnzte, da
fiel er ohnmchtig zur Erde nieder. Der getreue Johannes hob ihn auf,
trug ihn in sein Bett und dachte voll Sorgen 'das Unglck ist geschehen,
Herr Gott, was will daraus werden!' dann strkte er ihn mit Wein, bis er
wieder zu sich selbst kam. Das erste Wort, das er sprach, war 'ach! wer
ist das schone Bild?' 'Das ist die Knigstochter vom goldenen Dache,'
antwortete der treue Johannes. Da sprach der Knig weiter 'meine Liebe
zu ihr ist so gro, wenn alle Bltter an den Bumen Zungen wren, sie
knntens nicht aussagen; mein Leben setze ich daran, da ich sie
erlange. Du bist mein getreuster Johannes, du mut mir beistehen.'

Der treue Diener besann sich lange wie die Sache anzufangen wre, denn
es hielt schwer, nur vor das Angesicht der Knigstochter zu kommen.
Endlich hatte er ein Mittel ausgedacht und sprach zu dem Knig 'alles,
was sie um sich hat, ist von Gold, Tische, Sthle, Schsseln, Becher,
Npfe und alles Hausgerth: in deinem Schatze liegen fnf Tonnen Goldes,
la eine von den Goldschmieden des Reichs verarbeiten zu allerhand
Gefen und Gerthschaften, zu allerhand Vgeln, Gewild und wunderbaren
Thieren, das wird ihr gefallen, wir wollen damit hinfahren und unser
Glck versuchen.' Der Knig hie alle Goldschmiede herbei holen, die
muten Tag und Nacht arbeiten, bis endlich die herrlichsten Dinge fertig
waren. Als alles auf ein Schiff geladen war, zog der getreue Johannes
Kaufmannskleider an, und der Knig mute ein gleiches thun, um sich ganz
unkenntlich zu machen. Dann fuhren sie ber das Meer, und fuhren so
lange, bis sie zu der Stadt kamen, worin die Knigstochter vom goldenen
Dache wohnte.

Der treue Johannes hie den Knig auf dem Schiffe zurckbleiben und auf
ihn warten. 'Vielleicht,' sprach er, 'bring ich die Knigstochter mit,
darum sorgt da alles in Ordnung ist, lat die Goldgefe aufstellen und
das ganze Schiff ausschmcken.' Darauf suchte er sich in sein Schrzchen
allerlei von den Goldsachen zusammen, stieg ans Land und gieng gerade
nach dem kniglichen Schlo. Als er in den Schlohof kam, stand da beim
Brunnen ein schnes Mdchen, das hatte zwei goldene Eimer in der Hand
und schpfte damit. Und als es das blinkende Wasser forttragen wollte
und sich umdrehte, sah es den fremden Mann und fragte wer er wre? Da
antwortete er 'ich bin ein Kaufmann,' und ffnete sein Schrzchen und
lie sie hineinschauen. Da rief sie 'ei, was fr schnes Goldzeug!'
setzte die Eimer nieder und betrachtete eins nach dem andern. Da sprach
das Mdchen 'das mu die Knigstochter sehen, die hat so groe Freude
an den Goldsachen, da sie euch alles abkauft.' Es nahm ihn bei der
Hand und fhrte ihn hinauf, denn es war die Kammerjungfer. Als die
Knigstochter die Waare sah, war sie ganz vergngt und sprach 'es ist
so schn gearbeitet, da ich dir alles abkaufen will.' Aber der getreue
Johannes sprach 'ich bin nur der Diener von einem reichen Kaufmann: was
ich hier habe ist nichts gegen das, was mein Herr auf seinem Schiff
stehen hat, und das ist das knstlichste und kstlichste, was je in Gold
ist gearbeitet worden.' Sie wollte alles herauf gebracht haben, aber er
sprach 'dazu gehren viele Tage, so gro ist die Menge, und so viel Sle
um es aufzustellen, da euer Haus nicht Raum dafr hat.' Da ward ihre
Neugierde und Lust immer mehr angeregt, so da sie endlich sagte 'fhre
mich hin zu dem Schiff, ich will selbst hingehen und deines Herrn
Schtze betrachten.'

Da fhrte sie der getreue Johannes zu dem Schiffe hin und war ganz
freudig, und der Knig, als er sie erblickte, sah da ihre Schnheit
noch grer war, als das Bild sie dargestellt hatte, und meinte nicht
anders als das Herz wollte ihm zerspringen. Nun stieg sie in das
Schiff, und der Knig fhrte sie hinein; der getreue Johannes aber blieb
zurck bei dem Steuermann und hie das Schiff abstoen, 'spannt alle
Segel auf, da es fliegt wie ein Vogel in der Luft.' Der Knig aber
zeigte ihr drinnen das goldene Geschirr, jedes einzeln, die Schsseln,
Becher, Npfe, die Vgel, das Gewild und die wunderbaren Thiere. Viele
Stunden giengen herum, whrend sie alles besah, und in ihrer Freude
merkte sie nicht da das Schiff dahin fuhr. Nachdem sie das letzte
betrachtet hatte, dankte sie dem Kaufmann und wollte heim, als sie aber
an des Schiffes Rand kam, sah sie da es fern vom Land auf hohem Meere
gieng und mit vollen Segeln forteilte. 'Ach,' rief sie erschrocken,
'ich bin betrogen, ich bin entfhrt und in die Gewalt eines Kaufmanns
gerathen; lieber wollt ich sterben!' Der Knig aber fate sie bei der
Hand und sprach 'ein Kaufmann bin ich nicht, ich bin ein Knig und nicht
geringer an Geburt als du bist: aber da ich dich mit List entfhrt
habe, das ist aus bergroer Liebe geschehen. Das erstemal, als ich dein
Bildnis gesehen habe, bin ich ohnmchtig zur Erde gefallen.' Als die
Knigstochter vom goldenen Dache das hrte, ward sie getrstet, und ihr
Herz ward ihm geneigt, so da sie gerne einwilligte seine Gemahlin zu
werden.

Es trug sich aber zu, whrend sie auf dem hohen Meere dahin fuhren, da
der getreue Johannes, als er vorn auf dem Schiffe sa und Musik machte,
in der Luft drei Raben erblickte, die daher geflogen kamen. Da hrte
er auf zu spielen und horchte was sie mit einander sprachen, denn er
verstand das wohl. Die eine rief 'ei, da fhrt er die Knigstochter
vom goldenen Dache heim.' 'Ja,' antwortete die zweite, 'er hat sie
noch nicht.' Sprach die dritte 'er hat sie doch, sie sitzt bei ihm im
Schiffe.' Da fieng die erste wieder an und rief 'was hilft ihm das! wenn
sie ans Land kommen, wird ihm ein fuchsrothes Pferd entgegenspringen:
da wird er sich aufschwingen wollen, und thut er das, so sprengt es
mit ihm fort und in die Luft hinein, da er nimmer mehr seine Jungfrau
wieder sieht.' Sprach die zweite 'ist gar keine Rettung?' 'O ja, wenn
ein anderer schnell aufsitzt, das Feuergewehr, das in den Halftern
stecken mu, heraus nimmt und das Pferd damit todt schiet, so ist der
junge Knig gerettet. Aber wer wei das! und wers wei und sagts ihm,
der wird zu Stein von den Fuzehen bis zum Knie.' Da sprach die zweite
'ich wei noch mehr, wenn das Pferd auch getdtet wird, so behlt der
junge Knig doch nicht seine Braut: wenn sie zusammen ins Schlo kommen,
so liegt dort ein gemachtes Brauthemd in einer Schssel, und sieht aus
als wrs von Gold und Silber gewebt, ist aber nichts als Schwefel und
Pech: wenn ers anthut, verbrennt es ihn bis aufs Mark und Knochen.'
Sprach die dritte 'ist da gar keine Rettung?' 'O ja,' antwortete die
zweite, 'wenn einer mit Handschuhen das Hemd packt und wirft es ins
Feuer, da es verbrennt, so ist der junge Knig gerettet. Aber was
hilfts! wers wei und es ihm sagt, der wird halbes Leibes Stein vom Knie
bis zum Herzen.' Da sprach die dritte 'ich wei noch mehr, wird das
Brauthemd auch verbrannt, so hat der junge Knig seine Braut doch noch
nicht: wenn nach der Hochzeit der Tanz anhebt, und die junge Knigin
tanzt, wird sie pltzlich erbleichen und wie todt hinfallen: und hebt
sie nicht einer auf und zieht aus ihrer rechten Brust drei Tropfen Blut
und speit sie wieder aus, so stirbt sie. Aber verrth das einer, der es
wei, so wird er ganzes Leibes zu Stein vom Wirbel bis zur Fuzehe.' Als
die Raben das mit einander gesprochen hatten, flogen sie weiter, und der
getreue Johannes hatte alles wohl verstanden, aber von der Zeit an war
er still und traurig; denn verschwieg er seinem Herrn, was er gehrt
hatte, so war dieser unglcklich: entdeckte er es ihm, so mute er
selbst sein Leben hingeben. Endlich aber sprach er bei sich 'meinen
Herrn will ich retten, und sollt ich selbst darber zu Grunde gehen.'

Als sie nun ans Land kamen, da geschah es, wie die Rabe vorher gesagt
hatte, und es sprengte ein prchtiger fuchsrother Gaul daher. 'Wohlan,'
sprach der Knig, 'der soll mich in mein Schlo tragen,' und wollte sich
aufsetzen, doch der treue Johannes kam ihm zuvor, schwang sich schnell
darauf, zog das Gewehr aus den Halftern, und scho den Gaul nieder. Da
riefen die andern Diener des Knigs, die dem treuen Johannes doch nicht
gut waren, 'wie schndlich, das schne Thier zu tdten, das den Knig in
sein Schlo tragen sollte!' Aber der Knig sprach 'schweigt und lat ihn
gehen, es ist mein getreuester Johannes, wer wei wozu das gut ist!'
Nun giengen sie ins Schlo, und da stand im Saal eine Schssel, und das
gemachte Brauthemd lag darin und sah aus nicht anders als wre es von
Gold und Silber. Der junge Knig gieng darauf zu und wollte es ergreifen,
aber der treue Johannes schob ihn weg, packte es mit Handschuhen an,
trug es schnell ins Feuer und lie es verbrennen. Die anderen Diener
fiengen wieder an zu murren und sagten 'seht, nun verbrennt er gar des
Knigs Brauthemd.' Aber der junge Knig sprach 'wer wei wozu es gut
ist, lat ihn gehen, es ist mein getreuester Johannes.' Nun ward die
Hochzeit gefeiert: der Tanz hub an, und die Braut trat auch hinein, da
hatte der treue Johannes Acht und schaute ihr ins Antlitz; auf einmal
erbleichte sie und fiel wie todt zur Erde. Da sprang er eilends hinzu,
hob sie auf und trug sie in eine Kammer, da legte er sie nieder, kniete
und sog die drei Blutstropfen aus ihrer rechten Brust und speite sie
aus. Alsbald athmete sie wieder und erholte sich, aber der junge Knig
hatte es mit angesehen, und wute nicht warum es der getreue Johannes
gethan hatte, ward zornig darber, und rief 'werft ihn ins Gefngnis.'
Am andern Morgen ward der getreue Johannes verurtheilt und zum Galgen
gefhrt, und als er oben stand und gerichtet werden sollte, sprach er
'jeder der sterben soll, darf vor seinem Ende noch einmal reden, soll
ich das Recht auch haben?' 'Ja,' antwortete der Knig, 'es soll dir
vergnnt sein.' Da sprach der treue Johannes 'Ich bin mit Unrecht
verurtheilt und bin dir immer treu gewesen,' und erzhlte wie er auf
dem Meer das Gesprch der Raben gehrt, und wie er, um seinen Herrn zu
retten, das alles htte thun mssen. Da rief der Knig 'o mein treuester
Johannes, Gnade! Gnade! fhrt ihn herunter.' Aber der treue Johannes war
bei dem letzten Wort das er geredet hatte leblos herabgefallen, und war
ein Stein.

Darber trug nun der Knig und die Knigin groes Leid, und der Knig
sprach 'ach, was hab ich groe Treue so bel belohnt!' und lie das
steinerne Bild aufheben und in seine Schlafkammer neben sein Bett
stellen. So oft er es ansah, weinte er und sprach 'ach, knnt ich dich
wieder lebendig machen, mein getreuester Johannes.' Es gieng eine Zeit
herum, da gebar die Knigin Zwillinge, zwei Shnlein, die wuchsen heran
und waren ihre Freude. Einmal, als die Knigin in der Kirche war, und
die zwei Kinder bei dem Vater saen und spielten, sah dieser wieder das
steinerne Bildnis voll Trauer an, seufzte und rief 'ach, knnt ich dich
wieder lebendig machen, mein getreuester Johannes.' Da fieng der Stein
an zu reden und sprach 'ja, du kannst mich wieder lebendig machen, wenn
du dein Liebstes daran wenden willst.' Da rief der Knig 'alles, was ich
auf der Welt habe, will ich fr dich hingeben.' Sprach der Stein weiter
'wenn du mit deiner eigenen Hand deinen beiden Kindern den Kopf abhaust
und mich mit ihrem Blute bestreichst, so erhalte ich das Leben wieder.'
Der Knig erschrack, als er hrte da er seine liebsten Kinder selbst
tdten sollte, doch dachte er an die groe Treue, und da der getreue
Johannes fr ihn gestorben war, zog sein Schwert und hieb mit eigener
Hand den Kindern den Kopf ab. Und als er mit ihrem Blute den Stein
bestrichen hatte, so kehrte das Leben zurck, und der getreue Johannes
stand wieder frisch und gesund vor ihm. Er sprach zum Knig 'deine Treue
soll nicht unbelohnt bleiben,' und nahm die Hupter der Kinder, setzte
sie auf, und bestrich die Wunde mit ihrem Blut, davon wurden sie im
Augenblick wieder heil, sprangen herum und spielten fort, als wr ihnen
nichts geschehen. Nun war der Knig voll Freude, und als er die Knigin
kommen sah, versteckte er den getreuen Johannes und die beiden Kinder
in einen groen Schrank. Wie sie hereintrat, sprach er zu ihr 'hast du
gebetet in der Kirche?' 'Ja,' antwortete sie, 'aber ich habe bestndig
an den treuen Johannes gedacht, da er so unglcklich durch uns geworden
ist.' Da sprach er 'liebe Frau, wir knnen ihm das Leben wieder geben,
aber es kostet uns unsere beiden Shnlein, die mssen wir opfern.' Die
Knigin ward bleich und erschrack im Herzen, doch sprach sie 'wir sinds
ihm schuldig wegen seiner groen Treue.' Da freute er sich da sie
dachte wie er gedacht hatte, gieng hin und schlo den Schrank auf, holte
die Kinder und den treuen Johannes heraus und sprach 'Gott sei gelobt,
er ist erlst, und unsere Shnlein haben wir auch wieder,' und erzhlte
ihr wie sich alles zugetragen hatte. Da lebten sie zusammen in
Glckseligkeit bis an ihr Ende.




[End of Der treue Johannes, by the Brothers Grimm]

[Fin de Der treue Johannes, par les frres Grimm]
